Systemische Beratung · Systeme und deren Kräfte bzw. Gesetzmäßigkeiten

Zunächst stellt sich die Frage: was sind denn eigentlich Systeme und Mitglieder?

Ein System kann beispielsweise die Herkunfts- oder Gegenwartsfamilie im persönlichen Kontext eines Menschen sein. Im unternehmerischen Kontext stellen beispielsweise ein Team, eine Abteilung, ein Unternehmen oder eine ganze Organisation ein System dar.

Ja, selbst körperliche Organe können als System „Körper” aufgestellt werden; in diesem Fall sprechen wir von einer so genannten somatischen Aufstellung, die beispielsweise dann zum Einsatz kommt, wenn ein Mensch unter psychosomatischen Problemen leidet.

Die Systemmitglieder sind dann eben die teilnehmenden Menschen des betreffenden Systems. Systemisch gesehen finden aber nicht nur Menschen, sondern auch Eigenschaften, Verhaltensweisen oder Fähigkeiten, aber auch ganz abstrakte Dinge wie beispielsweise Glaubenssätze, Muster und ähnliches Platz in einem System.

Gleichgültig, ob es sich um ein System im persönlichen oder unternehmerischen Kontext handelt: im jeweilgen System gibt es so genannte systemische Gesetzmäßigkeiten und Kräfte, die auf die jeweiligen Mitglieder Auswirkungen haben.

Was können Sie sich unter „systemischen Kräften” oder „systemischen Gesetzmäßigkeiten” vorstellen? Nun, zwei Beispiele sollen diese Kräfte und Gesetze, die möglicherweise in einem System wirken, verdeutlichen:

Immer wieder unglückliche Paarbeziehungen

Die Situation aus der Sicht der Klientin

Eine Klientin im Bereich der persönlichen Beratung erlebt ein immer wieder kehrendes Muster in ihren Beziehungen: diese verlaufen mühevoll, meistens lieblos, viele Gedanken drehen sich um Trennung. Wie oft diese Klientin auch den Partner wechselt - es ändert sich eigentlich nur der Name des Partners, die Situation bleibt weitgehend gleich.

Aus systemischer Sicht betrachtet

Aus systemischer Sicht kann es wertvoll sein, auf den Platz neben der Klientin zu schauen, ob dieser Platz denn auch wirklich für einen neuen Partner frei ist. Denn möglicherweise ist sie mit ihrem Vater verstrickt oder mit einem früheren Partner, der sie immer noch an sich bindet. Damit ist es für die Klientin natürlich fast unmöglich, eine beglückende und bereichernde Beziehung zu erfahren - ganz einfach, weil kein Platz da ist für eine Verbindung.

Was kann die Aufstellung mit dem Systembrett für diese Klientin tun?

Die Klientin kann beispielsweise mit dem Vater bzw. dem früheren Partner Kontakt aufnehmen und Worte der Loslösung aussprechen. Der Vater bzw. der frühere Partner wird gewürdigt und bedankt und schließlich in Frieden und Liebe verabschiedet bzw. los gelassen.

Und eine mögliche systemische Lösung?

Nach dieser Aufstellung kann die Klientin möglicherweise ungebundener und gelöster als zuvor agieren und so die Beziehung in eine neue, befreitere und damit beglückendere Richtung gehen.

Der verhaltensauffällige Sohn

Die Situation aus der Sicht der Klientin

Eine andere Klientin in der Lebensberatung hat viel Ärger mit ihrem verhaltensauffälligen Sohn. Der benimmt sich aggressiv und destruktiv sich selbst und Anderen gegenüber, hat auch andererseits sehr zurückgezogene, depressive Phasen.

Aus systemischer Sicht betrachtet

Aus systemischer Sicht kann es wertvoll sein, einen Blick auf den Platz des Sohnes zu werfen. Welche Grundinformationen des Platzes stehen dem Jungen zur Verfügung? Und steht dieses Kind möglicherweise auf einem ihm nicht gemäßen Platz und hat demnach sein Verhalten gar nicht so sehr mit ihm selbst zu tun?

Was kann die Aufstellung mit dem Systembrett für diese Klientin bzw. ihren Sohn tun?

In der Aufstellung wird der Klientin bewusst, dass sie eine Jahre zurück liegende Abtreibung ihres erst geborenen Kindes vollkommen verdrängt hat. Jegliche Erinnerung oder Gedanken an dieses Kind sind verblasst und gelangen erst in dieser Aufstellung mit dem Systembrett wieder ans Tageslicht. Aus systemischer Sicht steht der später geborene Sohn auf Grund der Nichtwürdigung des ersten Kindes auf dessen Platz mit der Basisinformation: „Du hast kein Recht hier zu sein! Du bist hier nicht erwünscht!” Das ist keine moralische Bewertung, sondern stellt lediglich die grundsätzliche Qualität dieses Platzes dar. Der Sohn agiert also als Symptomträger und weist durch seine Verhaltensauffälligkeiten darauf hin, dass etwas in diesem System nicht stimmt.

Und eine mögliche systemische Lösung?

Die Klientin kann ihrem ersten Kind möglicherweise einen Namen geben, es würdigen, sich bei ihm bedanken und ihm somit den Platz geben, der ihm zusteht. Damit rückt ihr Sohn auf den ihm gemäßen (zweiten) Platz auf, der jetzt eine ganz andere Grundinformation enthält, die für das Leben des Sohnes viel passender und stimmiger ist - möglicherweise die: „Herzlich willkommen! Wir haben dich erwartet!” Die Verhaltensauffälligkeiten können jetzt möglicherweise entfallen, da die Aufgabe, dass der Sohn auf die systemische Unordnung hinweist, ja jetzt erledigt ist.

Sie sehen also, der systemische Blick auf Probleme im Außen durch eine Aufstellung (mit dem Systembrett) kann Hindernisse - und damit auch Lösungen! - zu Tage fördern, die ansonsten möglicherweise unbewusst bleiben, aber trotzdem weiter wirken. Oder anders: anstatt den Fokus auf das scheinbare Problem im Außen zu richten, erlaubt uns die systemische Aufstellung den Blick darauf zu richten, worum es systemisch gesehen im Inneren des jeweiligen Systems wirklich geht - das Einverständnis der KlientInnen natürlich voraus gesetzt!

Für weiterführende Information lesen Sie bitte auch Folgendes zum Thema systemische Beratung:

Systemische Beratung · der Wegweiser
Systemische Beratung
Systeme und deren Gesetzmäßigkeiten
Systemische Beratung im persönlichen Kontext
Themen der Beratung im persönlichen Kontext
Systemische Beratung im unternehmerischen Kontext
Themen der Beratung im unternehmerischen Kontext