Das Buch „Aufstellungen mit dem Systembrett”

Vorwort

Die „Brett-Arbeit” nimmt mittlerweile in der systemischen Beratungspraxis einen zentralen Platz ein. Ähnlich wie bei der Skulpturarbeit, der Technik des zirkulären Fragens, der paradoxen Intervention oder den verschiedensten Formen Systemischer Struktur- und Familienaufstellungen, arbeiten nahezu alle systemisch arbeitenden Therapeuten, Berater oder Coachs mit dieser Methode.
Seit einem Vierteljahrhundert wird über diese systemische Intervention diskutiert, zeitweise darüber gestritten, was letzten Endes dazu geführt hat, dass die Durchführungstechniken variiert, adaptiert und für die unterschiedlichsten Zielpersonen, Gruppen und Organisationen maßgeschneidert wurden.

Und dennoch erscheint die Arbeit mit dem Systembrett als „Technik hinter vorgehaltener Hand”. Das scheinbar Spielerische in der Umsetzung, vor allem aber die unbeschwert anmutende Lockerheit in der Anwendung der Brett-Technik und nicht zuletzt das oft unglaublich erscheinende Lösungsgenerieren der Klienten, lassen Nicht-Systemiker oder Skeptiker gerne die Nase rümpfen: Gilt doch in der deutschsprachigen Beratungsszene noch immer der eiserne Grundsatz, dass nur schweißtreibende Therapiearbeit, gefolgt von einer, zumindest halbstündig dauernden, röchelnden Reanimationsphase für Berater und Klient wirklich effiziente Arbeit darstellen. (vgl. GNAMBS 2003)

Gerade die aktuellen Trends der internationalen Beratungsdisziplinen zeigen uns aber recht deutlich, dass sich neuere Interventionsformen einem Wertewandel unterzogen haben: weg von einer dogmatisch kognitiven Methodik, die in vergangenen Jahrzehnten durch die Absolutheit konkurrierender Therapie- und Beratungsschulen entstanden ist, hin zu einer schulenübergreifenden, vernetzten somatischen Methodik, die (wieder) menschliche Attribute wie Humor und Provokation, Ganzheitlichkeit von Körper und Geist, aber auch mystische (schier über-menschliche) Konzepte, wie z.B. das der morphogenetischen Felder, des kollektiven Unterbewusstseins oder des global brains, in die Beratung mit ein bezieht.

Im vorliegenden Buch beschreiben wir die Arbeit mit dem Systembrett als Synthese aus altbewährten Grundprinzipien therapeutischer Praxis und neuen kreativen und ganzheitlichen Konzepten, wie z.B. den kurzzeittherapeutischen Ansätzen nach DE SHAZER und KIM BERG, den lösungsfokussierten Systemischen Strukturaufstellungen nach SPARRER und VARGA von KIBED sowie dem Hypnosystemischen Ansatz nach SCHMIDT.

Im Sinne einer methodenpluralistischen Arbeitsweise ist uns die Vernetzung und Annäherung bestehender Schulen und Methoden ein besonderes Anliegen, nicht nur, weil dadurch das Methodenrepertoire von Therapeuten, Beratern und Coaches - und damit die Struktur- und Prozessqualität der Beratung enorm gesteigert werden kann, sondern vor allem, weil als Konsequenz eine qualitative Optimierung von Wahlmöglichkeiten der Klienten, ganz im Sinne des von FOERSTER`schen Imperativs: „Handle stets so, dass du die Zahl deiner Wahlmöglichkeiten erhöhst!” geschieht.

Am Ende dieses Buchs werden wir Ihnen dargelegt haben, wie die Anwendung des Systembretts seinen Weg von der kognitiven Methode hin zur somatischen Methode genommen hat, vor allem aber welche Sekundärgewinne in der Intervention sich daraus für den Anwender und seinen Klienten ergeben haben und werden.

Um diesem Ziel gerecht zu werden erscheint es uns besonders wichtig, im ersten Teil (Kap. 1-3) des Buchs nicht nur auf die Methode „Systembrett„ an sich, sondern vor allem auf die Entstehungsgeschichte und Wurzeln der „Brett-Arbeit” einzugehen und damit die zugrunde liegenden Grundannahmen und Hypothesen der Urheber dieser Methode zu skizzieren.
Aus dem Verlauf der bisherigen Anwendungspraktiken und den daraus resultierenden Variationen werden wir im zweiten Teil (Kap. 4-5) unser Modell der Beratung mit dem Systembrett beschreiben und die jeweiligen Wirkfaktoren anhand eines Fallbeispiels kommentieren. Dabei sollen vor allem unser Beratungsansatz, die darin enthaltene (ethische) Grundhaltung, besonders aber die genaue Struktur des Beratungsprozesses mit dem Systembrett erläutert und die Vorgehensweise der Intervention in den einzelnen Schritten erarbeitet sein. Im dritten Teil des Buchs (ab Kap. 6) werden wir Beispiele aus unserer Beratungspraxis in Form von kommentierten Beratungsprotokollen anführen und dadurch die Anwendungsmöglichkeiten der Beratung mit dem Systembrett so erweitern und vertiefen, dass Theorie und Praxis ineinander fließen und das Spektrum der Einsatz- und Ergebnisvielfalt dokumentieren.

Wir wünschen Ihnen liebe Leserin, lieber Leser, dass Sie mit diesem Praxisbuch die Lust am Ausprobieren entdecken und unseren Anregungen so experimentierfreudig folgen, dass nicht nur Ihre Handlungsspielräume als Therapeut, Berater oder Coach ständig wachsen, sondern auch die Ihrer Klienten im Problemlösungsprozess.

Wolfgang Polt
Markus Rimser

Hier finden Sie das Vorwort im PDF-Format.

Für weiterführende Info stehen Ihnen folgende Themen des Buches zur Verfügung:

Das Buch „Aufstellungen mit dem Systembrett”
Das Inhaltsverzeichnis im HTML-Format
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Das Vorwort im HTML-Format
Das Vorwort im PDF-Format
Kapitel 3 im HTML-Format
Kapitel 3 im PDF-Format
Kapitel 8 im HTML-Format
Kapitel 8 im PDF-Format
Rezensionen zum Buch „Aufstellungen mit dem Systembrett”
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