Das Systembrett · Definition · Herkunft · Anwendungsbereiche · Vorteile

Das Systembrett · die Definition

Das Systembrett ist ein rechteckiges, helles Brett aus Holz, dessen Format in praktikabler Anwendung circa 50x50 Zentimeter misst. Auf der Brettoberfläche finden sich gefräste, eingebrannte oder aufgezeichnete, gerade Linien, die das Brett durch die Linienführung in einen markierten Innen- beziehungsweise Außenraum trennen.

Mittels verschiedener Holzklötze und Holzfiguren (rund/eckig, groß/klein, mit und ohne färbiger Markierung) haben Klienten die Möglichkeit, ihr Anliegen und die daran beteiligten Menschen, Informationen, Empfindungen, etc. auf dem Brett aufzustellen, damit zu externalisieren.

Auch Abstraktes, wie beispielsweise innere Per­sönlich­keits­anteile, Glaubenssätze, Eigen­schaf­ten, usw. lassen sich auf dem Systembrett po­sitio­nie­ren und laden KlientInnen vielleicht erst­mals ein, mit diesen Elementen in Kontakt und Kommunikation zu treten.

Für viele KlientInnen ist die bloße Einladung, ihr System einfach mal aufzustellen, der erste Schritt in Richtung Überblick und Klarheit, da sie ihr System, das sie bis jetzt als Systemmitglied immer nur von innen sehen konnten, zum ersten Mal von außen sehen können. Dieser Blick von außen ermöglicht neue Perspektiven; neue Stand­punkte können eingenommen werden.

Jetzt kommt ein essentieller Vorteil des System­bretts zum Einsatz: die belastende Situation ist jetzt im Außen. Mit einem Blick überschaubar. Ohne große kognitive Anstrengung. Die be­lasten­de Situation wurde durch die Ex­ter­nali­sier­ung auf eine andere Ebene gebracht. Und eine andere Ebene öffnet möglicherweise einen neuen, so noch nie wahr genommenen Mög­lich­keits­raum.

Durch gezielte Fragetechniken und durch Assoziation mit den aufgestellten Figuren erarbeiten KlientInnen gemeinsam mit ihren BeraterInnen Ursachen, Handlungsoptionen und erste Lösungsschritte ihres Anliegens.

Durch gezielte Neu- oder Umpositionierung der Stellvertreter kommt Ordnung in ein System, das systemisch gesehen möglicherweise in Unordnung geraten ist.

Das Hauptaugenmerk in der Aufstellungsarbeit von Wolfgang Polt und Georg Breiner ist immer wieder auf neue Perspektiven einzuladen; geänderte Standpunkte einzunehmen. Immer die Frage im Hinterkopf und im Herzen: „Wie könnten Sie die Welt noch sehen?” Getragen von der Haltung, dass unsere KlientInnen ihrem Bild etwas Neues, etwas so noch nicht Gesehenes hinzufügen mögen ... Denn: je mehr Sichtweisen - desto mehr Handlungsoptionen!

Neue Blickwinkel erzeugen möglicherweise ein neues Verständnis für die Mitglieder bzw. deren Verhaltensweisen eines Systems. Und dieses neu gewonnene Verständnis kann als Basis dienen, damit Altes, Verkrustetes, Starres endlich gelöst werden kann ...

Das Systembrett · die Entstehungsgeschichte

Das „Familienbrett” wurde von einer Arbeitsgruppe (hier ist vor allem Ulrich Wilken zu nennen) um Kurt Ludewig 1978 in Hamburg entwickelt. Es diente zunächst dem diagnostischen Element systemischer Familientherapie, wurde von Ludewig und seinem Team alsbald aber als „Mittel der Kommunikation” über Systeme betrachtet.

Die Aufstellungsarbeit mit dem Systembrett stellt einen anwendungsfokussierten Mix aus dem Aufstellungsverfahren der Skulpturarbeit (nach Duhl und Kantor, beeinflusst von Satir), dem Darstellungsmuster des projektiven Sceno-Tests (nach von Staabs), der Repräsentierten Wahrnehmung systemischer Strukturaufstellungen (nach Varga von Kibéd und Sparrer) sowie räumlichen Ankerelementen aus dem NLP (nach Bandler und Grinder) dar.

Im Coaching- und Supervisions-Boom der 1980er-Jahre verließ das Familienbrett den Rahmen der Familientherapie und kam in der folgenden Weiterentwicklung zum „Systembrett” auch in anderen Kontexten zum bereichernden Einsatz. So dient es zur systemischen Intervention in Beratungsprozessen des Coachings, der Lebensberatung, der Mediation, der Supervision, im Personalwesen und Unternehmens- und Organisationsberatung, sowie Therapie.

Auch in sozialen, psychosozialen und pflegenden Organisationen findet das Systembrett bereichernde Verwendung.

Weiterentwicklungen

Wolfgang Polt hat in seiner Aufstellungs-Arbeit mit KlientInnen beginnend mit 2004 die Methodik der „Aufstellung mit repräsentierter Wahrnehmung” entwickelt (oder die Methodik hat Wolfgang Polt entwickelt - wer weiß das schon?) und in weiterer Folge verfeinert.

Diese Methodik lädt KlientInnen ein, mit verschiedenen StellvertreterInnen aus dem jeweiligen System Kontakt aufzunehmen. Dies ermöglicht den einfachen Zugang zu gedanklichen und somatischen Informationen der jeweiligen Person. Aus den gewonnenen Informationen entwächst beispielsweise im ersten Schritt Klarheit und Einsicht und danach ein tiefes Verständnis für die individuelle Geschichte, die hinter dem Verhalten der betreffenden Person steht. Der Gewinn aus diesem tiefen Verständnis kann beispielsweise die Loslösung einer schon lange anhaltenden unglücklichen Verbindung sein.

Bei der Aufstellung mit repräsentierter Wahrnehmung kommen die selben Wirkweisen zum Tragen, die menschliche Repräsentanten in einer Familienaufstellung erleben; das so genannte „wissende” oder „morphogenetische Feld”.

Die Methodik der „Aufstellung mit repräsentierter Wahrnehmung” wird ausführlich im Buch „Aufstellungen mit dem Systembrett” beschrieben.

Wolfgang Polt und Georg Breiner haben mehrere Systembrett-Formate entwickelt; darunter beispielsweise die „verdeckte Aufstellung”; in diesem Format wird für den Berater völlig inhaltslos gearbeitet.

Das von Wolfgang Polt entwickelte „Modell der Einladungen” ist eine mögliche Art, einen durchgehenden Beratungsprozess mit dem Systembrett zu gestalten.

Die so genannten „Aufstellungssnippets”, die von Georg Breiner entwickelt wurden, sind eine kurze, knackige Variante eines Visualisierungsprozesses auf dem Systembrett.

Die hier zitierten Formate können Sie in unserem Buch „Lösungen mit dem Systembrett” nachlesen oder in einem unserer Systembrett-Seminare live erleben.

Aktuell und im Zuge der Supervision hat sich das Systembrett-Supervisions-Format „superVIEW” entwickelt, das sowohl BeraterInnen ein höchstgradig erhellendes Reflexions-Tool zur Verfügung stellt, als auch SupervisorInnen eine Methode in die Hände gibt, um Supervisions-Prozesse nährend und bereichernd zu gestalten.
Ausfürhrliche Infos zu diesem Supervisions-Format „superVIEW” finden Sie hier.

Das Systembrett · die Anwendungsbereiche

Das Systembrett ist ein Visualisierungsmittel und bringt die Gedanken von innen nach außen. Das ist bereits ein großer Schritt ...

Allgemein

Im Allgemeinen eignet sich die Aufstellungsarbeit mit dem Systembrett beispielsweise

  • zur Beschreibung von Dynamiken in verschiedenen Systemen (Familien, Beziehungen, Organisationen, Teams, etc.)
  • zur Darstellung bestehender und möglicher Bezugssysteme
  • zum Auflösen versteckter Ver-wirrungen und Kausalitätsketten
  • zur Abbildung innerer Emotionen, Gedanken, Befindlichkeiten
  • zur Visualisierung bestehender Hindernisse und Ressourcen
  • zum Analysieren möglicher Lösungsszenarien
  • zum Reflektieren erster Lösungsschritte

Coaching

Die Aufstellung auf dem Systembrett eignet sich im Coaching beispielsweise zur/zum

  • Verbesserung der sozialen Kompetenzen, der Management- und Führungs-Kompetenzen
  • Auflösen unangemessener Verhaltens-, Wahrnehmungs- und Beurteilungstendenzen
  • Umgang mit Leistungs-, Kreativitäts- und Motivationsblockaden, beispielsweise "Innere Kündigung"
  • Allgemeine Erweiterung des Verhaltensrepertoires
  • Überprüfung der Lebens- und Karriereplanung
  • Unterstützung bei akuten beruflichen Konfliktsituationen
  • Bearbeitung von durch Organisationsstrukturen oder Organisationsentwicklungsmaßnahmen bedingten Problemen, zum Beispiel der Umgang mit neuen Rollen, Integration neuer Mitarbeiter, veränderter Umgang in einer flexiblen und schlanken Organisation
  • Vorbereitung auf neue Aufgaben und Situationen
  • Unterstützung bei Einführung/Veränderung eines Führungsstils

Mediation

In der Mediation eignet sich die Aufstellung auf dem Systembrett beispielsweise zur/zum

  • Visualisierung der Eigen- und Fremdbertrachtung eines Konflikts
  • Verstehen der Sichtweise des/r Konfliktpartners
  • Klärung und Sichtbarmachen von gestaltenden Konflikt-Parametern
  • Bewältigung und zum Verstehen von Konflikten
  • Öffnen von Möglichkeitsräumen und Handlungsspielräumen für die beteiligten Konfliktpartner

Lebens- und Sozialberatung

In der Lebens- und Sozialberatung eignet sich die Aufstellung auf dem Systembrett beispielsweise wenn

  • ein Berufswechsel gewünscht ist oder vollzogen werden muss
  • Klienten von eigenen Krankheiten oder solchen im sozialen Umfeld betroffen sind
  • ein Abhängigkeits- oder Suchtproblem auftritt
  • es Probleme in Partnerschaft, Sexualität, Familienplanung oder Kindererziehung zu lösen gilt
  • eigene Ausbildungsziele geklärt werden sollen
  • der eigene Selbstwert gestärkt werden soll
  • Trennungen und Scheidungen bevorstehen oder verarbeitet werden müssen

Therapie

Die Aufstellungsarbeit mit dem Systembrett eignet sich in der Therapie beispielsweise zur

  • Stärkung individueller Ressourcen
  • Aufbau persönlicher Bezugspersonen und -systeme
  • Reflexion der Auswirkungen eigenen Verhaltens auf Andere
  • Arbeit mit Inneren Anteilen oder dem Inneren Team
  • Aufstellung von Krankheiten, Organen oder betroffenen Persönlichkeitsanteilen
  • ganzheitlichen Behandlung von Krankheiten
  • zur Trennung von Absicht und Verhalten in empfundenen Ambivalenzen

Organisationberatung

In der Organisationsberatung eignet sich die Aufstellung auf dem Systembrett beispielsweise

  • zur Aufstellung von Teams, Abteilungen und Kulturen
  • zur Erarbeitung von Zielen und Visionen in Teams und Arbeits- (Projekt-)gruppen
  • zur Lösung von Spannungen und Verstrickungen in betrieblichen Systemen
  • zum Sichtbarmachen bestehender, hindernder Muster
  • als Szenariotechnik für mögliche Pläne und Vorhaben
  • zur Ergänzung des Balanced Scorecard Modells

Supervision

Die Aufstellungsarbeit mit dem Systembrett eignet sich in der Supervision beispielsweise zur

  • Reflexion der eigenen (Lebens-)Rollen
  • visualisierten Falldarstellung und -bearbeitung
  • Reflexions- und Entscheidungshilfe bei aktuellen Anlässen
  • Bewältigung und zum Verstehen von Konflikten
  • Klärung und Gestaltung von Rollen, Funktionen und Aufgaben
  • Begleitung bei Veränderungsprozessen und neuen Herausforderungen
  • Mobbing- und Burnoutprophylaxe

Das Systembrett · die Vorteile

Was macht nun die Beratung in Verbindung mit dem Systembrett so einzigartig?

Wie sagt Georg Breiner so schön: „Das Wunderbare am Systembrett ist seine Anpassungsfähigkeit. Es wird immer das sein, was der Berater gerade braucht - sei es nun Spiegel, Adler oder Gesang.”

Das Systembrett lädt unsere KlientInnen ein, die Gedanken ins Außen zu bringen und sie aus ganz neuen Perspektiven zu betrachten ...

Aus unserer Sicht bietet die Aufstellung mit dem Systembrett folgende gravierende Vorteile für BeraterIn und KlientIn an:

  • Das Systembrett lädt unsere KlientInnen ein, die Gedanken ins Außen zu bringen und sie aus ganz neuen Perspektiven zu betrachten ...
  • Das Systembrett lädt KlientInnen ein, deren Welt möglicherweise erstmals im Außen zu betrachten - das was sie bisher immer nur im Kopf durchdachten, wird nun auf einmal sicht-bar, begreif-bar, verrück-bar
  • Unaussprechliches, bis dato Nebuloses und nicht Fassbares bekommt hier eine Form, eine Farbe, wird fass-bar ...
    Bekommt einen Namen, erfährt eine Bewortung ...
    Das, was wir benennen können, können wir verstehen ...
    Das, was wir be-greifen können, das können wir verändern ...
  • Anstatt "Die Methoden Ihrer Schule oder das Systembrett" heißt es "Die Methoden Ihrer Schule und das Systembrett" für den/die BeraterIn
  • Im Gegensatz zur Familienaufstellung
    • geschützter Rahmen für KlientIn
    • unabhängig von RepräsentantInnen
  • Rechtshemisphärisch statt linkshemisphärisch
    • "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte"
    • schneller Zugang zu Problemen/Lösungen ohne kognitive Leistung
    • einfacher Zugang zu Abstraktem
    • einfacher Zugang zu Gefühlen
  • Das Systembrett generiert laufend Fragen für BeraterIn
  • Das Systembrett unterstützt schnelle und leichte Bewusstseins-bild-ung für KlientIn und ebenso schnelle und leichte Hypothesen-bild-ung für BeraterIn
  • Schneller, einfacher Zugang zu Lösungsbildern
  • Unterstützt nähere Beleuchtung von (generationsübergreifenden, familiären) Glaubenssätzen, Mustern und Denkstrukturen
  • Auch Abstraktes, wie beispielsweise Persönlichkeitsanteile, innere Antreiber, Ambivalenzen, Ziele, Eigenschaften, Ressourcen, … werden externalisiert und kommen so zu Wort
  • Durch die Aufstellung mit repräsentierter Wahrnehmung können KlientInnen in die Informationswelten anderer Systemmitglieder eintauchen. Das generiert möglicherweise ein ganz neues Verständnis für die Verhaltensweisen und Reaktionen Anderer im System. Dieses neu gewonnene Verständnis kann möglicherweise der erste Schritt in eine ganz neue Richtung sein.
  • Systemische Lösungen (dürfen) leicht und kreativ passieren
  • KlientInnen befinden sich im Aufstellungsprozess rechtshemisphärisch in deren Bilderwelten. Systemische Fragen zu den (System-)Bildern generieren tief gehende Prozesse und laden zu geänderten Perspektiven und damit Antworten ein, aus denen neue Einsichten entstehen können.
Das Systembrett

Problem = immer derselbe Blickwinkel + daher keine neuen SichtWeisen für die Situation + daher auch keine Handlungs­möglich­keiten

Lösungen mit dem System­brett = Neuer Blickwinkel + daraus resultierender neuer Standpunkt + daraus resultierende neue Einsicht + daraus resultierendes neues Verständnis + aus all dem resultierende neue Handlungs­möglich­keiten